Freuet Euch! Die Mistviecher (Herbstgrasmilben) sind wieder da!

Manche Hunde- und Katzenhalter werden sicher schon in „freudiger Erwartung“ sein, denn für empfindliche Tiere ist das alles andere als spaßig. Der Übeltäter: Neotrombicula autumnalis, die Herbstgrasmilbe, auch Erntemilbe genannt. Die erwachsene Milbe ist zwar Vegetarier, ihre Larvenform aber befällt Hunde, Katzen, Mäuse, einige andere Tierarten und auch den Menschen, bei dem sie das Krankheitsbild der Erntekrätze hervorruft.

Die Schadwirkung erstreckt sich dankenswerterweise nur auf lokale Hautreizungen mit sehr starkem Juckreiz. Irgendwelche Vektorkrankheiten, wie wir sie bei Zecken und Mücken fürchten müssen, spielen hier nach heutigem Kenntnisstand keine Rolle.

Bei Hund und Katze ist ein Befall oft an intensiv rostroten Pünktchen oder Flecken zu erkennen, bei denen es sich um die bis zu 0,3 mm großen Larven handelt. Meist kommt es darüber hinaus zu Sekundärläsionen der Haut durch Kratzen und Belecken, die sich durch bakterielle Infektionen noch verstärken können.

Wo sitzen die Herbstgrasmilben?

Die Milbenlarven sitzen meist auf der Spitze von trockenen Grashalmen, von wo sie sich vom vorbeilaufenden Wirtstier abstreifen lassen. Je ungemähter und höher das Gras, desto mehr Milbenlarven kommen darin vor. Bei jedem Laufen und Spielen sammeln Katzen und Hunde neue Larven ein, die sogleich mit ihrer Mahlzeit beginnen und dadurch wieder neu aufflammenden Juckreiz verursachen. Manche Tiere und Menschen scheinen sehr unempfindlich auf Herbstmilbenlarven zu reagieren, während andere schon beim geringsten Befall unter massivem Juckreiz leiden.

Nach unserer Erfahrung werden insgesamt die Tiere am heftigsten befallen, die die Milben im eigenen Garten haben. Wenn Ihr wissen wollt, ob sich in Eurem Garten Grasmilben tummeln, dann legt einen weißen Teller ins Gras. Wenn sich bald orange Punkte auf dem Teller zeigen, ist die Sache geklärt. Dann sollte möglichst häufig gemäht und der Grasschnitt außerhalb des Gartens entsorgt werden.

Beim Spaziergang kann allenfalls dadurch vorgesorgt werden, dass man die Hunde nur in nasses Gras lässt oder insgesamt von ungemähten Grasflächen fern hält. Hunde, die regelmäßig mit repellierenden Spot-Ons behandelt werden oder ein repellierendes Halsband tragen, werden tendenziell gar nicht oder nur schwach befallen. Wirklich zuverlässig repellierend wirken nur die Pyrethroide Permethrin, Flumethrin und Deltamethrin. Am Besten hilft, regelmäßig mit einem Spot-On präventiv vorzugehen oder mit entsprechenden Halsbändern. 

Welche Mittel können helfen?

Natürlich können auch die üblichen Hausmittel versucht werden, denen eine repellierende Wirkung nachgesagt wird, z.B. Kokosfett, Ballistol, etc.. Sollte das nicht funktionieren, was ich für wahrscheinlich halte, hat es in diesem Fall keine schlimmen Folgen, weil ein Grasmilbenbefall eben nur lästig, aber nicht wirklich gefährlich ist. Bei festgestelltem Befall können die Milbenlarven mit einem abtötenden Shampoo oder Spray beseitigt werden. Aber auch Duschen mit einem normalen Shampoo oder das Abspülen der gefährdeten Körperbereiche (Beine, Bauch, Unterseite des Halses) mit klarem Wasser direkt nach dem Spaziergang kann ausreichen, um viele eingesammelte Larven zu beseitigen. Wenn man die oben erwähnten orangeroten Stellen findet, kann man diese mit Öl betupfen. Dadurch werden die Atemöffnungen der Larven verstopft.

Bei manchen Tieren kann der Juckreiz so stark und quälend sein, dass er medikamentös gelindert werden muss. Dazu werden Kortikosteroide in niedriger Dosierung, Antihistaminika oder die neuen Janus-Kinase-Hemmer wie Oclacitinib (Apoquel) eingesetzt. Ebenfalls juckreizlindernd kann die Anwendung synthetischer Gerbsäuren (Tannosynt) sein.

Durch den bei jedem Spaziergang erfolgenden Neu-Befall kann man den frustrierenden Eindruck erhalten, dass nichts wirklich hilft, egal was man unternimmt. Ende Oktober, nach dem ersten morgendlichen Raureif, ist der Spuk dann mal wieder vorbei.

© Kleintierpraxis Ralph Rückert, Römerstraße 71, 89077 Ulm

Hausmittel gegen Grasmilben

Haben Sie die Möglichkeit dem Hund die Beine und den Bauch kurz lauwarm abzuspülen, sollten Sie das nach Spaziergängen machen. So entfernen Sie die Grasmilben bereits, bevor sie Gelegenheit haben, die Haut des Hundes zu beschädigen.

  • Haben sich bereits Larven eingenistet, seifen Sie den Hund mit Kernseife ein. Achten Sie darauf, dass Sie die Kernseife anschließend gut ausspülen.
  • Ein anderes Hausmittel gegen die Grasmilben-Larven ist das Neemöl. Durch das Öl gerät der Hormonhaushalt der Larve aus dem Gleichgewicht und sie lässt von ihrem Opfer ab. Achten Sie darauf, dass das Neemöl auf rein pflanzlicher Basis ist und keine Zusatzstoffe enthält.
  • Von Geruch der Laurinsäure fühlen sich die Spinnentiere instinktiv abgestoßen, da die Säure ihr Atmungssystem verstopft. Sowohl Geranien- wie auch Kokosöl ist reich an Laurinsäure und eignet sich daher auch zur Insektenabwehr.
  • Die pflanzlichen Öle sollten Sie jedoch nur sehr sparsam und bei Bedarf einsetzen. Auch wenn es sich um alte Hausmittel auf Naturbasis handelt, lösen Sie auf der Haut des Hundes gelegentlich Irritationen aus. Zudem können durch das Öl organische Schäden, wie beispielsweise an der Leber, hervorgerufen werden. Ganz besonders vorsichtig sollten Sie zudem im Augenbereich mit dem Öl umgehen. Laufen Sie gerne mit Ihrem Hund über Wiesen, können Sie die Pfoten vorab mit Melkfett einreiben.
  • Meistens sind Grasmilben für den Hund lediglich unangenehm, gelegentlich kann das Sekret aber auch zu heftigen Reaktionen des Körpers, wie beispielsweise Krämpfen oder starkem Haarausfall, führen. In dem Fall sollten Sie einen Tierarzt zurate ziehen.
  • Tipp: Egal ob sich der Hund Zecken, Grasmilben oder Flöhe eingefangen hat, grundsätzlich gilt: Ziehen Sie immer die gesamte Umgebung des Haustiers bei der Bekämpfung mit ein, um die Plagegeister loszuwerden.

Ebenfalls als Hausmittel gegen Grasmilben oder Zecken soll Schwarzkümmelöl helfen.

Wenn der Befall aber zu schlimm ist – bitte zum Tierarzt gehen…